Video YouTube: Mitja Ficko | „13te Haltestelle“, Kunsthalle Ravensburg, Germany, 24.3. – 30.4. 2017

Video  YouTube: Mateja Gorjup: Voice Performance, Kunsthalle Ravensburg, Germany
Video  YouTube: Mitja Ficko | "13te Haltestelle", Das Mirakel und seine Rückkehr ins Bild, Kunsthalle Ravensburg
Mitja Ficko – “13te Haltestelle“ Das Mirakel und seine Rückkehr ins Bild:  Vernissage Einblicke

 


 

 




 


Uroš Weinberger – OASE DES WUSTS. Malerei und Zeichnung: Vernissage Einblicke
Video  YouTube: Uroš Weinberger | Oase des Wusts, Kunsthalle Ravensburg, Germany, 13.1. - 3.3.2017

Kunsthalle Ravensburg – Gottlieb-Daimler-Straße 28
Uroš Weinberger – OASE DES WUSTS. Malerei und Zeichnung
Ausstellung von 13. Januar bis 03. März 2017
Eröffnung am Fr 13. Januar 2017 19 Uhr

RedeText
Von Herbert Köhler

Damit es keine unnötigen Irritationen gibt: wir befinden uns in Ravensburg und nicht amantarktischen Südpol. Carin Arnold hat wärmetechnisch alles getan, damit wir uns in dieser Halle nicht als Kunstpinguine fühlen müssen. Außerdem gibt es im Anschluss an meine 5-stündige Rede etwas zu essen und zu trinken.

Zur zweiten möglichen Irritation: Oase des Wusts! Diesen Ausstellungstitel hat sich Uroš Weinberger selbst ausgedacht, nachdem er auf dem T-Shirt seiner Freundin Vesna den Aufdruck Oase der Lust entdeckt hatte. Aus Lust wurde Wust, weil Wust in seinen Ohren irgendwie besser klang. Mit Oase liegt Uroš ja genau richtig, aber das Wort Wust kommt fast schon despektierlich daher. Denn das, was hier zu sehen ist, ist Malerei von ganz besonderer Art.

Ravensburg hat seit gut einem viertel Jahr wieder eine Attraktion mehr auf dem Kunstsektor. Diese Attraktion trägt den Namen Kunsthalle Ravensburg. Sie befindet sich noch in ihrer Projekt- und Orientierungsphase, aber sie gibt Anlass zur Hoffnung. Nachdem der hiesige erfolgreiche Kunstverein vor etwa drei Jahren mangels Nachwuchsengagement leider aufgeben musste, war eine große Lücke in Sachen der Präsentation von Aktueller Kunst entstanden, die vom inzwischen gut angenommenen neuen Kunstmuseum nur schwer und nur teilweise geschlossen werden kann. Denn Stadtmarketing und Tourismusinteressen müssen sich vorwiegend um den breitgefächerten Mainstream undd ie Besucherzahlen kümmern, also Menschen animieren, die sonst mit Kunst nicht viel am Hut haben. So bleibt kein oder kaum mehr Raum für Kunst, der sich an jene Kunstinteressierte wendet, die sich vom Kunstdiskurs etwas mehr versprechen, als vor einer abgesicherter Optik zu stehen, die es längst auf Poster und Hochglanzkalender geschafft hat.

Um so erfreulicher ist die Initiative von Carin Arnold, den Interessierten der Stadt eine Kunsthalle als urbane Oase der Kunst anzubieten, in der Ausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern stattfinden können, die sich im aktuellen Diskurs befinden. Schön wäre es, wenn dadurch die immer noch klaffende Lücke eines fehlenden Kunstvereins auf hohem Niveau geschlossen werden könnte. Die aktuelle Ausstellung könnte die Richtung jedenfalls vorgeben. Denn mit den Gemälden und Zeichnungen des 1975 im slowenischen Trbovlje geborenen und in Ljubljana lebenden Künstlers, Uroš Weinberger, will Carin Arnold diesbezüglich ein erstes Zeichen setzen.

Uroš Weinberger hat sein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, Ljubljana 1998 begonnen und 2005 nach der Meisterklasse beendet. Schon 2001 erhielt er den Prešeren-Preis für Studierende der Universität Ljubljana. Der Große France Prešeren-Preis ist die renommierteste Kultur-Auszeichnung Sloweniens. 2002 absolvierte Uroš Weinberger ein Auslandsstudium an der Nationalen Kunstakademie der bulgarischen Hauptstadt Sofia. … Nur so am Rande: dort hatten auch Christo (der Verhüllungskünstler) und Oda Jaune (die inzwischen in Paris lebende, ehemalige Frau von Jörg Immendorff) studiert.

Für Uroš Weinberger folgten internationale Stipendien, Ausstellungen und Preise. Noch in diesem Jahr wird der Künstler in der Slowenischen Botschaft in Washington D.C. (USA) ausstellen.Ich selbst durfte Uroš Weinberger im Januar 2014 im Zentralinstitut für Kunstgeschichte kennenlernen, dem Mekka der literarischen Quellen der Kunstgeschichte mit Sitz in München. Dort hatte er damals zusammen mit seinen slowenischen Kollegen Mitja Ficko und Simon Kajtna ausgestellt.

Zur biografischen Komplettierung: Uroš Weinberger ist nicht nur Bildkünstler. Er engagiertsich seit vielen Jahren auch in einer – im weitesten Sinne – Elektro-Rock-Band mit dem Namen Moveknowledgement, in der der bekannte Rapper Miha Blažič, besser bekannt unter seinem Bühnennamen N’toko, die lead vocals übernommen hat.

Wie Uroš Weinberger stammt auch die wohl bekannteste international agierende, slowenische Band Laibach aus der zentralslowenischen Stadt Trbovlje. Das hat abgefärbt. Denn wenn es ein akustisch-performatives Pendant zu Weinbergers Bildsprache gibt, dann ist es die Provokanz der Auftritte von Laibach. Auffälligstes Kennzeichen der direkt nach Titos Tod 1980 gegründeten Gruppe ist der oft verstörende Umgang mit heikler bis tabuisierter Polit-Symbolik aus vergangenen Links-Rechts-Diktaturen. Dabei spielt das Prinzip der Überidentifikation mit totalitär-ideologischen Codes eine zentrale Rolle. Laibach setzt sie als parodistisch-satirische Überzeichnung ein und gibt diese Codes so letzten Endes der Lächerlichkeit preis. Slavoj Žižek etwa, ein äußerst streitbarer slowenischer Philosoph, hat sich dem Phänomen der Überidentifizierung angenommen – besonders im Hinblick auf ihre blasphemischen Strukturen. Wer diese methodisch betreibt, gehört zur sog. Informations- bzw. Kommunikationsguerilla. Ihre subversiv betriebene Systemkritik feiert vor allem im Internet inzwischen fröhliche Urständ. Zu deren bekanntesten Vertretern weltweit zählt aktuell das Duo The Yes Men, zwei inzwischen berühmt-berüchtigte und vom Establishment gefürchtete Aktivisten der aktuellen Protestbewegung in den USA.

Uroš Weinbergers künstlerischer Ansatz übernimmt teilweise die subversive Intention einer solchen Kommunikationsguerilla und setzt sie mit malerischen Mitteln, das heißt mit Ölfarbe auf Leinwand, um. Er bedient sich dabei aus dem Bilderhaushalt der Medien und setzt ausgewählte Ausschnitte für sein jeweiliges Bildthema zu neuen Szenerien zusammen. So entstehen Bildpuzzles oder Bildsamplings, die die zu transportierende Kritik erzählerisch verdichten, ja, so etwas wie eine jeweils kritische Bildformel erzeugen. Bei allem Detail-Realismus der Malerei des Künstlers wirkt der Zusammenhang dieser Details eher unscharf, vernebelt-unrealistisch bis surreal. In dieser Reibung wird aus jeder Kritik eine Metapher oder eine Allegorie für das anvisierte Thema, gleichzeitig erhält der Betrachter/ die Betrachterin auch mehr Interpretationsspielraum.

Die Vorgehensweise ist nicht neu. Moderne szenische Malerei – etwa seit Otto Dix – zieht sich durch das ganze vergangene Jahrhundert. Ihre Tradition reicht besonders vom Sozialistischen Realismus bis hinein in die figurationslastige, narrativ angelegte Neue Leipziger Schule um Neo Rauch oder Hans Aichinger und anderen. Grundsätzlich geht es dabei um eingedampfte Kammerspielszenen, die teilweise bis zum Icon verlabelt werden. Uroš Weinberger bedient sich häufig der fotografischen Bildsprache der 1950er bis 1980er Jahre. Er zerstört sie jedoch nicht, sondern instrumentalisiert sie so, dass sie durch einen neuen Zusammenhang fremd bis entstellt daher kommt. So wirkt die intendierte Medienkritik Uroš Weinbergers bei ihrem hohem ästhetischen Wert der malerischen Umsetzung um so ätzender.

Ein paar Beispiele. Einige der hier gezeigten Arbeiten nehmen sich die Ölindustrie vor, auch die Pharmaindustrie, die Videoüberwachung, den Generationenwandel der Digital Natives und den gewalttätigen Konflikt. Hier, in Uroš Weinbergers Malerei, werden visuelle Ästhetik und Medienkritik zu Komplizen dessen, was man inzwischen unter Culture Jamming versteht: ganz allgemein ein Protest gegen die alles beherrschende Logo-Welt der global rivalisierenden Interessen und ihrer wuchernden medialen Verbreitung, bei der es kein wahr und falsch mehr gibt, sondern weitestgehend nur noch Interessenattraktoren.

Uroš Weinberger hat sich in dem Malzyklus Seven Sisters die Ölmultis vorgenommen. Als Seven Sisters oder Supermajors wurden nach dem Zweiten Weltkrieg jene sieben Ölkonzerne bezeichnet, die in den 1950er bis 1970er Jahren den globalen Ölmarkt beherrschten. In einer Ausstellung im KiBela (Raum für Kunst) in Maribor im Frühsommer 2016 hatte er den gesamten Zyklus gezeigt. Vier Gemälde daraus hat er mit nach Ravensburg gebracht. Heute bestehen die Seven Sisters so nicht mehr, was die Machtkonzentration eher weiter zuspitzt. Gegenwärtig sind es nur noch vier Konzern-Giganten: ExxonMobil, Chevron, RoyalDutch Shell und BP. In seinen monumentalen Gemälden generiert Uroš Weinberger seine Bildkritik an der Diktatur dieser Konzerne, deren Macht, deren Praktiken und Auswirkungen.

Auch die Pharmaindustrie hat Uroš Weinberger im Visier. In seinem Gemälde Minister of Health Warns von 2010, das unter dem Eindruck des Todes seines Vaters entstand, zeigt der Künstler auf drastische Weise, was die lustig-bunt daher kommenden Pillen seiner Meinung nach anrichten können. Die bittere Aussage: Pillen sind das Gift, das uns töten wird. Man kann sich dagegen nicht wehren. Aus blühendem Leben wird zuerst kontaminiertes, dann entsorgbares Leben. Das Krankenhaus: ein Ort des Todes und nicht ein Ort der Gesundheit.

Grundsätzlich speist sich Uroš Weinbergers Bild- und Medienkritik zunächst aus einer vermeintlichen sorglos-idyllischen Quelle. Ironie, Satire und Sarkasmus können diese Idylle jedoch verätzen und sie erkenntnisleitend hinüber führen in Empörung und Beklemmung, Wut und Protest. Spätestens jetzt könnte einem ein Licht aufgehen. Aber Erkennen und Aufwachen sind zweierlei.

Deshalb will ich mit einem Satz von Uroš Weinberger selbst schließen: Der beängstigendere Alptraum sei nicht der Alptraum der Nacht, wie man vermuten könnte, sondern der Alptraum am Tage. Warum? Da sei Aufwachen nicht möglich. Gemessen an der Weltlage eine zutreffend pessimistische Einschätzung. Aber vielleicht gibt es da noch Lösungsansätze. Die Zukunft wird es zeigen.

Glückwunsch zu dieser in jeder Hinsicht beeindruckenden und großartigen Ausstellung und vielen vielen Dank an all jene, die sie möglich gemacht haben.

Dr. Herbert Köhler [aica]
Kunst- und Kulturpublizist (SWR • BR • KLG)

 


 

 

 

 

 

https://www.sta.si/2344758/weinbergerjeva-oaza-zmesnjav-v-kunsthalle-ravensburg
Osnovni podatki
Čas objave: 13.1.2017 06:00
Kategorija: Kultura
Ključne besede: RAZSTAVA
Avtor: mce/tv

Weinbergerjeva Oaza zmešnjav v Kunsthalle Ravensburg
Stuttgart, 13. januarja – V Kunsthalle Ravensburg bodo drevi odprli razstavo Oaza zmešnjav Uroša Weinbergerja. Umetnik v izrazna umetniška dela pretvarja tematike, kot je denimo, kako mediji vplivajo na svoje uporabnike. „Weinbergerjev vizualni jezik je slikovita zanka, ki jo spremljajo asociativni komentarji in kritična osvetljenost,“ piše v sporočilu za javnost.

Weinbergerjeva Oaza zmešnjav v Kunsthalle Ravensburg

Stuttgart, 13. januarja – V Kunsthalle Ravensburg bodo drevi odprli razstavo Oaza zmešnjav Uroša Weinbergerja. Umetnik v izrazna umetniška dela pretvarja tematike, kot je denimo, kako mediji vplivajo na svoje uporabnike. „Weinbergerjev vizualni jezik je slikovita zanka, ki jo spremljajo asociativni komentarji in kritična osvetljenost,“ piše v sporočilu za javnost.

Weinbergerja med drugim zanimajo mediji, predvsem pa to, kako verjeti, da so predane informacije, ki se tudi multiplicirajo skozi različne vrste medijev, resnične. „Kako vedeti, da smo v zmoti? Verjamemo torej, kar nam je povedano in prikazano, seveda ob odmerku navidezne verodostojnosti,“ je ob postavitvi zapisal umetnostni kritik in kulturni publicist Herbert Köhler.

Umetnika zanima tudi, ali medijski potrošnik v množici izgubi empatijo, raznolikosti palete informacij pa povečuje. Köhler navaja: „Posledice tega so med drugim omrtvičenje, pomanjkanje poguma, moči in brezciljnost. Zakaj torej toliko informacij, če pa te niso več integrabilne zaradi prevelike ponudbe v enem življenju? Komu je vse to še smiselno? Kakšna je funkcija informacije sploh?“

Navedene teme, v prepletu z vprašanji socialne politike, Weinberger pretvarja v izrazna umetniška dela. „Umetnik z vzorčenjem podob lahko nadzoruje načine kritike medijskega sveta. Njegov spekter je širok in ga ponuja tako v obliki neposredne, nefiltrirane ogorčenosti uspešnosti na kritične oblike, kot tudi ključne oblike ironije in satire, in nenazadnje, vendar ne najmanj: anksioznosti,“ sklene Köhler.

Uroš Weinberger (1975) je leta 2003 zaključil študij slikarstva, leta 2005 pa še podiplomski študij slikarstva na Akademiji za likovno umetnost in oblikovanje v Ljubljani. Leta 2001 je prejel študentsko
Prešernovo nagrado. Bil je na dveh kulturnih rezidencah v Nemčiji, leta 2011 pa je bil nagrajenec bienalne razstave – Pogled na likovno umetnost Slovenije 6: Jaz, tukaj, zdaj.

V glavnem ustvarja olja na platnu večjih dimenzij in tudi manjše risbe z različnimi umetniškimi mediji. Občasno ustvarja tudi zvočne in video instalacije. Njegov slikarski slog je raznolik, najbližje mu je izraz sodobno figuralno slikarstvo. Njegova dela spodbujajo družbeno ozaveščenost ter ukvarjanje z lokalnimi in globalnimi problemi, ki vplivajo na naša vsakodnevna življenja. Živi in ustvarja kot samostojni kulturni ustvarjalec v Novem mestu in Ljubljani, so še sporočili iz razstavišča.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ID: 753257
Brezplačna fotografija

Objava: 16.01.2017 20:40 Nastanek: 14.01.2017 13:10
Nemčija, Ravensburg.

Umetnik Uroš Weinberger.
Osebe: Uroš Weinberger

Foto: Vesna Kotnik

Velikost: 1536 x 2560