Uroš Weinberger, Empowered by Power., 2014, oil on canvas, 105,5x 156 cm

Uroš Weinberger

“OASE DES WUSTS“

Ausstellung: 14.01.2017 – 03.03.2017
Eröffnung: 13. Januar 2017 / 19 Uhr

*1975 in Trbovlje / Slowenien / lebt und arbeitet in Ljubljana, Slowenien.
Studierte zwischen 1998-2003 an der Akademie der Bildenden Künste, Ljubljana, Slowenien.

Die Medien, vorab die Bildmedien, liefern uns tagaus tagein Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen, sicher geglaubten wie obskuren. Die semantische Information wird mit dem dazu gelieferten Bild in ihrem Wahrheitsgehalt verstärkt, ohne dass dieser durch den Informierten geprüft werden kann. Bilder lügen schließlich nicht. Wie man weiß ein Trugschluss. Wir glauben also, was man uns sagt und zeigt dann, wenn das Darreichungsformat glaubwürdig erscheint. Nachrichten, Zeitungen, Magazine sind solche Formate. Ihre Multiplikatoren: Television, Rundfunk, Print- und Digitalmedien.

Dem Informations- und Bildtransport dieser medialen Formate widmet der in Ljubljana lebende Künstler, Uroš Weinberger, seine bild- und medienkritische Kunst. In der Hauptsache ist er Maler. Er arbeitet aber auch installativ bzw. performativ.

Er hat die Medien erforscht, kennt die statistischen Auswertungen über das Verhalten der Informationskonsumenten, weiß um deren Aufmerksamkeitsleistung, um die Tricks bei der Attraktivitätssteigerung von Ereignissen, um das dramatische Abnehmen der Anteilnahme an sozialem wie persönlichem Leid. Festzustehen scheint: Der Medienkonsument verliert in dem Maße an Empathie wie die Informationsvielfalt zunimmt. Folgen davon sind unter anderem Abstumpfung, Mut-, Macht- und Maßstabslosigkeit. Wozu also alle diese Information, wenn sie aufgrund ihres Überangebotes in ein einzelnes Leben nicht mehr integrierbar ist? Wer soll das alles noch sinnvoll verarbeiten? Welche Funktion hat dann Information überhaupt?

Solchen medien- und sozialpolitischen Fragen stellt sich Uroš Weinberger und setzt Teilantworten in seinen ausdrucksstarken Gemälden um. Dabei geht es nicht um das Anprangern von Missständen und Vorgehensweisen allein. Weinbergers Bildsprache bedient sich – ähnlich wie Neo Rauch und Daniel Richter aus der sogenannten Neuen Leipziger Schule – des Einsatzes von ›Erzähl-Samplings‹. Meist gibt es einen szenischen Aufhänger, der durch assoziative Bildkommentare begleitet und kritisch beleuchtet wird. So ergibt sich eine Synchronizität von Information und Kritik, aber auch die Simultaneität von Informant und Informierten. Wobei es nicht immer eindeutig ist, was nun Information und was deren Kritik ist. Uroš Weinberger weiß: Die Medienwelt spielt geradezu mit der Indifferenz von Information, Meinung und Kritik. Sie gehört zu einer Strategie der suggerierten Kompetenz und täuscht dort Anteilnahme vor, wo es nur ums Gaffen geht.

Mit seiner ›Bildsamplingsprache‹ kann Uroš Weinberger auch die Modi seiner Kritik steuern. Ihr Spektrum ist breit und bietet sowohl die Form der direkten, ungefilterten Empörungsleistung an, als auch die kritischen Formen der Ironie und Satire, und nicht zuletzt: die Beklemmung.

In seiner performativen Installation ›Displaced world, deplasiran svet.‹ setzte Uroš Weinberger – neben der fragmentierten, gesampelten Bildkritik – ein generatives Element seiner gesamten Medienkritik ein. Es handelt sich um ein in den einzelnen Gemälden als auch als Raumobjekt auftretendes biegsames Rohr mit einem dreifachen, variierenden Farbwechsel. Es steht für den gemeinsamen Nenner der Medienwelt: dem unablässigen und unaufhaltsamen Datenstrom, der – wie eine mediale Nabelschnur – sowohl Quelle und Adressat in einer Verbindungslogik hält als auch Kausalitäten aller Art zielgebend ableiten kann. Wenn Uroš Weinberger dann auch noch selbst in ein solches ›Rohrkostüm‹ schlüpft, tritt er zusätzlich als den Medien ausgeliefertes Individuum auf.

Text von Dr. Herbert Köhler